Vollwärmeschutz: Nachteile, Mythen und was wirklich stimmt

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Kaum eine Bauleistung hat so viele Kritiker wie der Vollwärmeschutz. Manche Einwände sind berechtigt, andere stammen aus Zeiten, in denen anders gebaut wurde. Hier gehen wir die häufigsten Punkte einzeln durch, mit Quellen und ohne Schönfärberei.
Algen auf der Fassade
Stimmt. Eine gedämmte Fassade kühlt nachts stärker ab als eine massive Wand, weil die Wärme aus dem Haus nicht mehr durchkommt. Auf der kalten Oberfläche schlägt sich Tau nieder, und davon leben Algen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik nennt die zunehmende Dämmung ausdrücklich als eine Ursache.
Die Dämmwirkung leidet darunter nicht. Laut einem Merkblatt der Putzindustrie, erstellt mit dem Fraunhofer-Institut, schädigen Algen die Fassade nach heutigem Wissen nicht. Es ist ein optisches Problem. Dickere Putze, Dachüberstände und die richtige Farbe helfen vorzubeugen, mehr dazu im Ratgeber Algen an der Fassade.
Spechte
Stimmt. Für einen Specht klingt eine gedämmte Fassade wie morsches Holz. Laut BirdLife Österreich sind dünne, weiche Putze an Häusern nahe Bäumen besonders betroffen. Ein härterer, dickerer Putz und geschützte Hauskanten machen die Fassade unattraktiv. Was im Schadensfall zu tun ist, steht im Ratgeber Spechtlöcher in der Fassade.
Atmende Wände
Stimmt nicht. klimaaktiv, das Klimaschutzprogramm des Bundes, schreibt klar: Wände atmen nicht. Ein Haushalt mit vier Personen erzeugt täglich 6 bis 9 Liter Wasserdampf, weniger als 1 % davon geht durch die Wand. Der Rest muss durch Lüften hinaus, mit oder ohne Dämmung.
Was als angenehmes Raumklima empfunden wird, ist die Feuchtepufferung des Innenputzes. Die obersten 1 bis 1,5 cm der Innenwand nehmen Feuchte auf und geben sie wieder ab. Eine Dämmung außen ändert daran nichts.
Schimmel in der Wohnung
Eher umgekehrt. Schimmel wächst innen dort, wo die Wand kalt ist und Raumfeuchte kondensiert. Eine Außendämmung macht die Innenseite der Wand im Winter deutlich wärmer. Wichtig bleibt richtiges Lüften: Im Winter mehrmals täglich kurz quer lüften, statt Fenster dauernd zu kippen.
Kritisch sind Anschlüsse. Werden neue, dichte Fenster eingebaut und die Laibungen nicht mitgedämmt, entsteht dort eine kalte Stelle. Deshalb planen wir Fenster und Fassade gemeinsam, siehe Fenstertausch und Fassade.
Brandschutz
Für Einfamilienhäuser meist kein Thema. EPS ist brennbar. Die österreichische Brandschutzrichtlinie OIB 2 verlangt Maßnahmen gegen die Brandausbreitung über die Fassade, etwa umlaufende Brandriegel aus Mineralwolle, aber erst ab Gebäudeklasse 4. Für die Gebäudeklassen 1 bis 3, in die Ein- und Zweifamilienhäuser in der Regel fallen, ist ein normales EPS-System zulässig.
Wer trotzdem eine nicht brennbare Fassade möchte, wählt Mineralwolle. Sie kostet mehr, mehr dazu unter Vollwärmeschutz Kosten.
Entsorgung und HBCD
Teilweise. Älteres EPS enthält das Flammschutzmittel HBCD, das heute verboten ist. In Österreich produziertes EPS ist seit 2015 frei davon, EPS aus der EU seit 2018. Laut dem zuständigen Bundesministerium ist auch altes EPS mit HBCD ein nicht gefährlicher Abfall. Es muss aber sauber getrennt, mit Begleitschein übergeben und verbrannt werden.
Muss ein alter Vollwärmeschutz erneuert werden, ist Abreißen oft gar nicht nötig. Sitzt das System fest, kann eine zweite Dämmschicht darauf, mehr dazu im Ratgeber Lebensdauer der Fassade.
Schallschutz
Hängt vom Produkt ab. Ein Vollwärmeschutz wirkt akustisch wie eine Feder zwischen Wand und Putz. Je nach Steifigkeit und Dicke der Dämmung kann er den Schallschutz einer Massivwand leicht verbessern, unverändert lassen oder etwas verschlechtern. Im Rechenbeispiel eines Berichts des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik verschlechterten 10 cm Dämmung den Schallschutz der Wand um rund 3 dB, ab 30 cm verbesserte er sich leicht um rund 1 dB. Das zeigt eine Richtung, für ein bestimmtes Haus ist es keine Zusage. Wohnen Sie an einer lauten Straße, fragen Sie nach dem Schallschutznachweis des Systems.
Kosten und Nutzen
Ein Vollwärmeschutz ist eine große Investition. Was er an Heizkosten spart, hängt stark vom Haus ab. Ein Rechenbeispiel mit Annahmen finden Sie im Ratgeber Fassadendämmung im Altbau. Am günstigsten ist die Dämmung, wenn die Fassade ohnehin saniert werden muss, weil Gerüst und Putz dann sowieso anfallen.
Häufige Fragen
Kann ein Haus mit Vollwärmeschutz noch atmen?
Brennt eine Fassade aus Styropor?
Ist alte Styropor-Dämmung Sondermüll?
Passende Leistung
Vollwärmeschutz in Mattersburg und Umgebung
Wir dämmen Einfamilienhäuser im Neubau und in der Sanierung mit einem Vollwärmeschutz von Sto, fachlich Wärmedämmverbundsystem genannt. Gerüst, Dämmung, Putz, Sockel und Fensterbänke kommen aus einer Hand, Sie haben für die ganze Fassade einen Ansprechpartner.
Zur LeistungQuellen
- klimaaktiv, Factsheet Atmende Wände, ein Missverständnis (31.05.2023) (öffnet in neuem Tab)
- OIB-Richtlinie 2 Brandschutz, Ausgabe Mai 2023 (Kopie Land Tirol) (öffnet in neuem Tab)
- BMLUK, Merkblatt EPS- und XPS-Dämmstoffabfälle (2021) (öffnet in neuem Tab)
- Fraunhofer IBP, Schallschutz bei Wärmedämm-Verbundsystemen (2015) (öffnet in neuem Tab)
- VDPM, Merkblatt Mikrobiologischer Bewuchs auf Fassaden (11/2020) (öffnet in neuem Tab)
- BirdLife Österreich, Spechtschäden an Gebäuden (öffnet in neuem Tab)
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